bunte Installation in der Aula

Rund ums Studieren

Der Rundgang in 3 Wörtern

Autor: Ilay Schwingshandl (Red)

Was ist eigentlich der Rundgang? In vier Interviews erzählen Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen von ihrer persönlichen Erfahrung und ihren eigenen künstlerischen Arbeiten, die sie ausstellen. Erfahre mehr darüber, was du bei den Tagen der offenen Tür der Akademie erleben und sehen kannst!

overwhelming, overwhelming and tired. 
einfallsreich, kunst, leute.
überfülle, freund_innenschaften, besucher. 
busy, exciting, community.
tulip, machines and makava

Videostill: Person liegt auf einer Wiese

Ich bin überrascht, wie viel Dinge gleichzeitig passieren können...

In diesem Interview erzählt Xavier Traynor, von seinem ersten Rundgang also Austauschstudent im Fachbereich Kunst und Zeit I Fotografie und den Unterschieden zu Sydney, Australien. Minjae Kim erzählt von Tulpen und Robotern und beschreibt seinen Lieblingsmoment des Rundgangs im Fachbereich Kunst und Zeit I Fotografie. 

Ilay: Erste Frage: In drei Wörtern, wie würdest du den Rundgang beschreiben? 
Xavier: viel los/viel zu tun, aufregend, Gemeinschaft.
Minjae: Tulpe, Maschinen, Makava.

I: Wie würdest du den Rundgang einer Person beschreiben, die noch nie da war?
X: Es ist sehr anders als zu Hause. Der Maßstab ist ein ganz anderer, als ich es in Sydney gewohnt bin. Ich denke - also um wieder über aufregend zu sprechen - das Ausmaß an Kunst und Arbeiten, die zu sehen sind, ist wirklich besonders, aber auch - um ehrlich zu sein - etwas überfordernd, aber sehr besonders daran teilzuhaben. 

I: Wie ist das bei dir?
M: Ich bin einfach überrascht, wie viel Dinge gleichzeitig passieren können und wie am Ende irgendwie doch alles funktioniert. Mit Plan, ohne Plan. Das ist zumindest meine Erfahrung. 

I: Danke. Nächste Frage. Habe ich das richtig verstanden, ist das dein erster Rundgang? 
X: Ja. 
I: Nach diesem ersten Eindruck, dieser ersten Erfahrung, was würdest du sagen, was Rundgang für dich persönlich bedeutet? 
X: Persönlich? Also für mich als Austauschstudent ist es wie ein Rückblick auf meine Zeit der letzten Monate im Ausland auf Austausch. Und auch wie ich nicht nur als Künstler, aber auch als unabhängigerer Mensch in einem anderen Land gewachsen bin. Wie ich in eine neue Kultur eingetaucht bin und wie sich das in meiner künstlerischen Arbeit zeigt. Und Rundgang ist das Zelebrieren und Erforschen davon. Nicht nur als Individuum, sondern auch im Kontext mit meinen Klassenkamerad_innen und allen anderen Kolleg_innen an der Akademie.

I: Schön. Und wie ist es für dich? 
M: Ich denke ich seh es jedes Jahr anders. Es fühlt sich jedes Mal anders an. 

I: Und was ist deine Lieblings-Rundgang-Erinnerung?
M: Meine Lieblingserinnerung waren Lesungen und Performances und Konzerte dieses Jahr. Ja, es war wirklich schön. 

I: Schön. Und du? 
X: Meine Lieblingserinnerung? Wahrscheinlich am ersten Abend das Arbeiten an der Bar. Es war mein erstes Mal dort, und es war eine super Möglichkeit nicht nur mit den Klassenkamerad_innen und anderen Freund_innen abzuhängen, sondern auch neue Leute kennenzulernen, die ganze Zeit in Bewegung und beschäftigt zu sein, Geschichten auszutauschen und über Kunst zu sprechen, und auch ein paar Drinks zu teilen. Ja das hat Spaß gemacht.

I: Letzte Frage. Welche Arbeit zeigst du dieses Jahr bei Rundgang? Und willst du darüber erzählen?
X: Meine Werke sind eine Reihe von Porträts, die ich jeden Tag für mich selbst erstelle... Ja, das bin ich. Seit ich hier hergekommen bin - ich nicht so gut beim Schreiben, aber ich wollte am Ende jedes Tages über den ganzen Prozess reflektieren und dann am Ende der fünf Monate darauf zurückblicken können. Jedes Portrait ist eine Art Reflexion meiner Stimmung oder dem Gesamteindruck des jeweiligen Tages. Es war interessant zu sehen, wie viele es am Ende waren. Aber es ist auch sehr selbstbezogen, damit war ich auch zwiespältig am Anfang meines Austauschs. Selbstbezogen, individuell und unabhängig zu sein. Das fand ich interessant zu erforschen. Ja, so viel zu mir. 

I: Und du? Was ist deine Arbeit? 
M: Ich zeige Filme. Ich zeige den ersten Film, den ich dieses Jahr gemacht habe. Es war mir wichtig, einen guten Sound zu haben und genug Platz zu haben, um an dem Ort anzukommen. Es geht um die Verbindung zwischen Menschen, Natur, Maschinen und Aliens. Ich bin sehr zufrieden damit.

Videoscreening dekorativ
Wand mit verschiedenen gezeichneten Portraits

Dieser chaotische Kunststudent_innen-Spirit

Im folgenden Dialog-Interview hörst du eine Studentin aus dem Fachbereich Kunst und Raum I Installation über ihre Erfahrung mit Rundgang und dem Ausstellen dort sprechen, während sie Fragen aus einer Publikation stellt, welche in Kollaboration mit Gerry Bibby und der Akademie der bildenden Künste München entstanden ist.

offenes Buch mit Bild und Text

A: Ich frage dich und dann fragst du mich, okay? Frage eins: Warum können die Dinge nicht einfach einfach sein? 
I: Gute Frage. Ich glaube eigentlich, dass manche Dinge einfach sein können, aber dass die Leute Angst vor der Einfachheit haben. Für manche Leute – ich würde nicht sagen, für alle, aber ich glaube, manche finden Trost in komplizierten Dingen. Ich frage dich? Okay, wie würdest du „Rundgang“ mit drei Worten beschreiben?
A: Überwältigend, überwältigend und müde.
Was bedeutet Musik für dich? 
I: Sehr viel. Musik hören, Musik machen, ja, das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich bin dran.
Wie würdest du Rundgang jemandem beschreiben, der noch nie dort war? 
A: Dieser Person? Ungefähr so: Es ist ein guter Ort zum Feiern, man erlebt dort diesen sehr chaotischen Kunststudent_innen-Spirit und bekommt einen ersten Eindruck davon, was die Leute hier so machen. Hast du dich im Flugzeug verliebt? 
I: Im Flugzeug? 
A: Ja. 
I: Nein, ich habe mich nicht im Flugzeug verliebt, aber ich hatte eine sehr nette Begegnung im Flugzeug, wo ich mich wirklich allein fühlte, und ich weiß nicht, ob es an mir oder an der anderen Person lag, aber wir fingen an, miteinander zu reden, und ich habe das Gefühl, im Flugzeug einen Freund gefunden zu haben. Wir haben uns nie wieder gesehen oder so, aber es war einfach eine nette Begegnung. 
Okay, warum bist du heute hier? 
A: Ich bin wegen dieser Zusammenarbeit zwischen meiner Klasse und der Klasse von Gerry Bibby aus
München hier, deshalb lese ich diesen Text gerade in diesem Moment aus der Publikation. Was willst du vom Leben? Eine große Frage.
I: Ich glaube, ich wünsche mir Freude. Ich möchte Verbindungen zu Menschen haben und echte Gefühle spüren. Und ich will auch, dass mich das Leben überrascht. Ja. Okay, letzte Frage an dich. Möchtest du etwas zu dem Werk sagen, das du zeigst? 
A: Es ist groß. Es ist wirklich das größte Werk, das ich je gemacht habe. Und ja, ich habe keine Lust, das ganze Werk zu erklären. Aber ich bin froh, dass es fertig ist und so geworden ist, wie es jetzt ist.
I: Ja, das ist schön. Wie fühlt es sich an, ein so großes Werk zu haben? 
A: Zuerst hat es mir wirklich Angst gemacht, weil man sich so bloßgestellt fühlt und auch Angst hat, dass man leicht anhand des Werks beurteilt wird. Leute definieren in gewisser Weise, wer du bist, indem sie ein einziges Werk betrachten. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mich daran gewöhnt habe und es genieße. Okay, der Raum gehört mir. Nein, aber ich glaube, ich habe mich jetzt daran gewöhnt. Ich habe das Gefühl, es ist nicht... Ja, eigentlich ist die Angst weg, seit es ausgestellt ist.
I: Das ist schön. Danke.

Rauminstallation Kurzbauergasse von oben gesehen, Rattmann

Endlich wieder ausstellen

Ein Student aus dem Fachbereich Kunst und Raum I Objekt erzählt von den ersten Momenten als Besucher und als Austellender beim Rundgang und warum es sich lohnt, als Bewerber_in vorbeizukommen. Außerdem erfährst du etwas über das installative Kollaborationsprojekt "Project Ratmann" von Yixuan Hu, Réne Stiegler, Rubén Ezequiel Löwy, Kihoon Yoo, Paul Seipel, Florian Jauernig, Rita Barbro Wilcke, Lisa Braid und Leon Scheiblich.

Rauminstallation von unten gesehen

Ilay: Wie würdest du den Rundgang in drei Wörtern beschreiben?
PR: Einfallsreich, Kunst, Leute.

I: Und für eine Person, die noch nie am Rundgang war, wie würdest du den Rundgang beschreiben? Was ist der Rundgang?
PR: Du siehst, was die Studenten von der Akademie Wien machen, wie sie arbeiten und wie der Alltag ist, vielleicht auch zu einem gewissen Grad.

I: Und dein wievielter Rundgang ist das?
PR: Der Dritte.

I: Und was bedeutet der Rundgang für dich?
PR: Endlich mal wieder ausstellen, weil ich in letzter Zeit weniger ausstelle und darüber hinaus Projekte umsetze, die man vielleicht sonst nicht umsetzen würde.

I: Und ja, wenn wir schon bei Projekten sind, würdest du über dein Projekt sprechen, was du hier ausstellst dieses Jahr?
PR: Wir sind hier beim "Project Ratmann", mit Doppel-N, in der Kurzbauergasse im Raum 114. Wir haben mit Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen in ein Atelier eine zweite Ebene eingezogen und haben in lustiger Art und Weise irgendwie zwei Ausstellungen in einem und so eine Interaktion zwischen den Leuten, zwischen den Rezipient_innen geschaffen.

I: Okay, ich habe noch zwei Fragen. Kannst du dich noch an deinen allerersten Rundgang erinnern und wie war das damals für dich?
PR: Als Besucher oder als Aussteller?

I: Beides gut!
PR: Als Besucher, glaube ich, war das schon längere Zeit her. Da habe ich versucht, mich zu bewerben an der Akademie. Das hat aber dann ein, zweimal nicht geklappt. Aber das war schon sehr, ja... Da hatte ich schon viel Respekt irgendwie. Und das erste Mal als Aussteller war vor drei Jahren und das war aufregend. Mit so vielen Leuten gleichzeitig auszustellen und die Klasse besser kennenzulernen. Aber für mich war beides irgendwie schön.

I: Schön. Ich glaube, du hast schon alles beantwortet. Deswegen, gibt es noch irgendwas, was du ergänzen willst oder hast du Fragen?
PR: Ich glaube, weil du gesagt hast, dieses Interview gilt für Leute, die sich vielleicht bewerben möchten. Ich glaube, das ist gut, wenn man sich anschaut, was man interessant findet am Rundgang und einfach mit den Leuten redet. Sich zu informieren, um was es geht und auch zu erfragen, was gut wäre, in die Bewerbungsmappe zu packen. So habe ich es gemacht und das ist das Einfachste.

I: Ja, würde ich auch sagen. Okay, cool. Vielen Dank für das Interview.

Ist es jetzt cooler am Schillerplatz?

Im folgenden Beitrag hörst du Eva Sommer über die Kollaboration mit ihrer Mutter sprechen und wie sie die Aula am Schillerplatz während des Rundgangs zu ihrem Atelier macht. Sie studiert im Fachbereich Kunst und Zeit I Performance.

Performance-Intervention in der Aula am Schillerplatz

Ilay: Die erste Frage ist, in drei Worten, wie würdest du den Rundgang beschreiben? 
Eva: Überfülle, Freund_innenschaften, Besucher.

I: Nice. Und was bedeutet der Rundgang für dich persönlich? 
E: Ja, find ich gut, Michi... Ich habe gerade ein Interview da.

Ilay: Ihr könnt auch was sagen.
Eva: Ja, ihr könnt auch was sagen.
Michi: Super!
Eva: Ja, Wir sticken hier nämlich die Palletten und diskutieren gerade, wie dicht oder wie weit auseinander wir diese einzelnen Palleten aufsticken dürfen. Oder was schöner ist. 

I: Und für was ist der Vorhang? 
E: Ja, der Vorhang ist eigentlich einfach ein großes Objekt, wo Z -A -K. oben steht. ZAK, was eben der Name von dem Kollektiv ist, in dem ich arbeite. Und der ist für alle möglichen Inszenierungen von allen möglichen Konzepten gedacht. Und hier in der Aula schaut er echt ziemlich cool aus, muss ich sagen. Ziemlich monumental. Und die Farben passen zufällig sehr gut hier rein.

I: Nice. Zufällig... (lacht)
E: Wirklich! (lacht)

I: Und was ist hier deine Arbeit? Oder was ist die Installation? Also der Vorhang ist da...
E: Genau, der Vorhang ist da und der muss bestickt werden. Das ist halt so meine schrullige Vorstellung, dass man da diese Kilometer-Outlines von diesem Z.A.K. besticken muss. Und das ist eigentlich dafür da, damit ich hier sein darf und Leute treffen kann. Eigentlich das.

I: Das ist schön. Und ist es das erste Mal, dass deine Mama mit dir beim Rundgang ist? 
E: Sie ist das erste Mal mit mir beim Rundgang, aber wir haben schon öfter gemeinsam Sachen genäht. Zum Beispiel auch den Vorhang haben wir unter großer Streiterei, sogar einer Träne, gemeinsam produziert. Und danach waren wir aber sehr happy, als er fertig war. Jetzt geht's weiter mit dem Vorhang. 

I: Das ist schön. Und wie ist es, sie heute hier zu haben und öffentlich an dem Vorhang zu arbeiten? 
E: Ich habe mich schon die ganze Woche sehr gefreut, dass sie kommt, weil eben der Vorhang schon ein großes, anstrengendes Projekt war. Und es jetzt voll nett ist, nochmal dran Hand anzulegen gemeinsam. 

I: Okay, zum Rundgang noch. Wie würdest du Rundgang beschreiben für eine Person, die noch nie dabei war? 
E: Man kann alle möglichen Arbeiten von den Leuten, die an der Uni studieren, sehen. Und auch die tollen Gebäude und Ateliers, wo die Akademie stattfindet, sozusagen.

I: Okay, letzte Frage: Kannst du dich noch an deinen allerersten Rundgang erinnern und wie war das damals für dich? 
E: Ja, kann ich. Also ich muss sagen, ich war nie so heiß auf die Rundgänge. Das war nicht so das Ding für mich. Aber ich war damals in einem Ausweichquartier in der alten WU, bei der Spittelau. Und es war irgendwie.. alle haben nur davon geredet, dass es eigentlich jetzt nicht so cool ist, wie es eigentlich sein sollte. Obwohl ich dieses Gebäude extrem spannend und cool finde, noch immer.

I: Ja.. ist es jetzt cooler am Schillerplatz? 
E: Ich finde es schon sehr lustig, dass ich hier jetzt so tue, als wäre das mein Atelier gerade, die große goldene Aula. Und dass ich hier mal so viel Zeit verbringe und so viele Leute schauen kann, hier die ganze Zeit Leute rein und raus strömen. Also finde ich schon lustig, dass es so prominent aus dem ersten Bezirk ist und so viele Leute hierher kommen, im Gegensatz zur Augasse damals.

I: Ja, ich finde es sehr schön, dass ihr das hier so einnehmt. Gefällt mir. Dankeschön.
E: Dankeschön.

Vorhang-Installation mit Aufschrift ZAK in der Aula

Interviews von Ilay Schwingshandl

Fotos von Minjae Kim, Xavier Traynor, Eva Sommer, Gerry Bibby, Yixuan Hu und René Stiegler